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Unser fossiles Dilemma lässt sich nicht mit billigem Sprit auflösen

Liebe Freundinnen und Freunde der Zukunft!

 

Trumps unzivilisierte Vernichtungsandrohung hat den Schurkenstaat Iran internationale wieder ins Geschäft gebracht. Durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus sind (Stand: 8. April) 20 Prozent des weltweiten Öls und 20 Prozent des weltweiten LNG (Flüssigerdgas) im Persischen Golf gestrandet. Hormus und Trumps erratisches Verhalten versinnbildlichen unser fossiles Dilemma. Die fossile Welt funktioniert nach archaisch-kolonialen Prinzipien: teure, naturzerstörende Energieproduktion, aufwändiger und naturzerstörender Energiehandel, naturzerstörende Energienutzung. Dagegen werden Erneuerbare dort, wo sie genutzt werden, auch produziert. Dabei und bei der Nutzung wird nur geringfügig CO2 freigesetzt und ihre Grenzkosten gehen null.

 

Was wird in den nächsten Wochen passieren? Hier ist einer, der es wissen muss: Fatih Birol, Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA) sieht die aktuelle Energiekrise als "schwerwiegender als die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen". Es gebe aber auch "Gründe für Optimismus": So werde die Energiekrise etwa den Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigen.

 

Die Veränderungen im Energiebereich werden "Jahre dauern", warnt Birol. Nur gut, dass sich die Erneuerbaren schneller weiterentwickeln als die fossilen Technologien, Solar- und Windanlagen können sehr schnell installiert, der Strom in die Netze eingespeist werden. Wir gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten Monate auf deutlich mehr erneuerbare Energien bei Industrie, Wohnen und Mobilität zurückgegriffen wird. Gut ist, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher schneller denken als die Bundesregierung. Hierzulande ist die Nachfrage nach Solaranlagen, Speichern, Wallboxen und Wärmepumpen binnen drei Wochen schlagartig angestiegen. Die meisten Firmen berichten von einer Verdoppelung der Nachfrage.

 

In der Krise merken die Verbraucher:innen, dass Unabhängigkeit von schmutzigem Öl den Leidensdruck senkt und handlungsfähig macht. Währenddessen demonstriert Wirtschaftsministerin Reiche, dass sie unser fossiles Drogenproblem immer noch nicht verstanden hat. Während sie uns weiter an der fossilen Nadel hält und dilettantisch am Benzinpreis schrauben lässt, wollen die Konsument:innen clean werden. Es keimt Hoffnung: Merz und die Bild-Zeitung sorgten 2023 vielleicht für den letzten fossilen Rückfall. (Die peinlichen Heizungskeller-Metaphern von Masken-Volker Spahn können dann endlich weg.)

 

Nein, der Schurkenstaat Iran allein wird die Energiewende nicht retten. Die heraufziehende Energiekrise wird uns bitter treffen. Der einfache Grund dafür: Wir sind Fossil-Junkies!

 

Was die aktuelle Lage von der Energieklemme 2022 noch einmal unterscheidet: Es wird jetzt keinen Aufschub beim Abschied aus der fossilen Welt mehr geben, weil die meisten Staaten schlicht Pleite sind. Die hohe weltweite Staatverschuldung (348 Billionen US-Dollar – mehr als das Dreifache des globalen BIP!) lässt kaum Spielraum für die Abpolsterung der Energiepreise. In den 1970ern lagen die Staatsdefizite der großen Staaten bei rund zwei Prozent, die Zahl hat sich mehr als verdoppelt. Und das unterscheidet den aktuellen Iran-Schock von früheren Energiekrisen. Zwar hat die Weltwirtschaft noch deutlich stärkere Ölpreisanstiege erlebt als gegenwärtig, außerdem sind wir im Umgang mit Energie deutlich effizienter geworden, beides könnte die Auswirkungen normalerweise abmildern. Doch angesichts der Staatsdefizite wird jetzt jeder Ölpreisanstieg dadurch verstärkt, dass die hohen Staatsschulden kein Gegensteuern mit Konjunkturprogrammen zulassen.

 

Fazit

 

Wir erleben in Realzeit, wie die fossile Gesellschaft der Ressourcen-Zernutzung und Naturzerstösung gegen die Wand fährt. Öl und Gas sind das Nervengift des globalen Energiesystems. Zum Glück ist der fossile Ausstieg von der EU von langer Hand geplant worden (und China ist bekanntlich noch deutlich weiter). Es gibt also wichtige Gründe, das Tempo des Erneuerbaren-Zubaus weiter zu erhöhen. Regenerative Energien sind Freiheitsenergien. Und - das ist für mich das zentrale Learning der momentanen Krise - Freiheit und Demokratie werden wir nur auf Basis eines nachhaltigen Energiesystems aufrechterhalten können.   

 

Die heraufziehende Mega-Energiekrise wird unsere geopolitische Lage grundlegend verändern. Horrende Staatsverschuldung macht die künstliche Aufrechterhaltung des fossilen Wohlstandssystems unmöglich. Es ist das Ende der fossilen Illusionen. Für die kommenden Wochen und Monate bedeutet das jedoch, so haben es EU-Beamte formuliert: Wir müssen energiepolitisch mit dem Schlimmsten rechnen

 

Bleiben Sie hellwach!