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Wie Europa und Erneuerbare in Zeiten des Autoritarismus die Welt retten

Was hilft gegen Trumps Idiotismus? Resilienz-Werkzeuge, die Autonomie, Souveränität und Zukunftsfähigkeit garantieren - Auftritt der EU und des Megatrends Erneuerbare

 

Die EU erweist sich als resilienter, als es der öffentliche Diskurs in vielen Ländern erwarten lässt. Gegen die bekannten Stereotypen (Bürokratie- und Beamtenmonster) sprechen konkrete Zahlen. So vertrauen Europäer der EU nach wie vor mehr als ihren nationalen politischen Systemen. Und dieser Vorsprung ist seit den 2000er-Jahren noch gewachsen. Die Zustimmung zum Euro, die 2013 bei nur 51 Prozent lag, ist in der EU auf einen Rekordwert von 74 Prozent und in der Eurozone auf 82 Prozent gestiegen.

 

Um es noch einmal zu betonen: Das ist eine nahezu einhellige Zustimmung zur Gemeinschaftswährung in einer Zeit wirtschaftlicher Ausnahmesituationen. (Mit 21 Prozent Ablehnung halten die Österreicher die EU-Mitgliedschaft für schlecht und repräsentieren damit die euroskeptischsten Menschen in der Union.)

 

Sollte der Anfang vom Ende der EU nicht mit dem Brexit (Frexit, Grexit...) beginnen? Hatten das nicht alle rechtspopulistischen Meisterdemagogen prophezeit? Ein Jahrzehnt später stehen die 27 EU-Mitgliedstaaten immer noch zusammen. In einer Zeit des glühenden Nationalismus müsste dieser supranationale Club eigentlich um sein Überleben kämpfen, könnte man meinen. Tut er aber nicht. Das ist auch den Bros Trump und Putin zu verdanken. Denn nichts schweißt so sehr zusammen wie eine Bedrohung in der kontinentalen Nachbarschaft und mit einem tumben US-Präsidenten als Alliierten.  

 

Das alles soll keineswegs Entwarnung signalisieren. 

 

Die Lage innerhalb der EU und auf globaler Ebene bleibt angespannt, Preisanstiege erscheinen unvermeidlich. Betrachtet man jedoch das ökonomische Gesamtbild, lassen sich sowohl besorgniserregende als auch hoffnungsvolle Trends erkennen. Was Ersteres betrifft, so überwiegen, wie der Internationale Währungsfond (IWF) gerade festgestellt hat, die Abwärtsrisiken. Wir befinden uns, wie Kanadas Premier Mark Carney bemerkte, in einer Ära des hochvolatilen Umbruchs. Und die wirkenden Triebkräfte ähneln denen der Jahre 1914–1945 mit ihren massiven Machtverschiebungen, mit Inflation (glücklicherweise moderater Arbeitslosigkeit) und ideologischen sowie technologischen Umwälzungen. 

 

Die entzündlichsten Risiken in der nächsten Zeit: geopolitische Spannungen; Versorgungsengpässe bei essenziellen Rohstoffen; Handelsstörungen; Enttäuschung über die Rentabilität von KI – und damit einhergehend ein Einbruch der Investitionen in KI; steigende internationale Haushaltsdefizite und stetig wachsende Staatsverschuldung. Und schließlich: Schäden an wichtigen Institutionen, insbesondere Zentralbanken, und die daraus resultierende Destabilisierung der Inflationserwartungen. Hinzu kommt der Verlust der Rolle der USA als moderierende Hegemonialmacht. 

 

Doch es gibt auch positive Aspekte. 

 

1. KI-Techno-Boom sorgt – vorübergehend - für Entspannung

 

Momentan entspannt uns noch eine gewisse globalökonomische Resilienz. Wie der IWF mitteilt, lief die Weltwirtschaft vor dem sinnlosen Iran-Krieg deutlich besser als erwartet. Insbesondere das Wachstum der Technologieexporte, angekurbelt durch den KI-Boom, milderte die negativen Auswirkungen von Trumps Zöllen. Deren Folgen wurden zudem durch die rasche Neuausrichtung des Welthandels infolge des Handelskriegs zwischen den USA und China abgefedert. Das zeigt auch, bislang vermochte sich der US-Protektionismus nicht weltweit auszubreiten. Laut Referenzprognose wird das globale Wachstum 2026 bei 3,1 Prozent und 2027 bei 3,2 Prozent liegen – unter den 3,4 Prozent der Jahre 2024/25. Mittelfristig sollte es sich auf diesem niedrigeren Niveau einpendeln. Dies verliefe also deutlich unter dem Durchschnitt von 3,7 Prozent im Zeitraum 2000 bis 2019. Wie der Weltwirtschaftsbericht (WEO) erklärt, liegt das daran, dass das Wachstum in diesem Jahr - ohne den Iran-Krieg - nach oben korrigiert worden wäre.

 

2. Die transformative Kraft der Erneuerbaren bewirkt, dass das „Coal-Comeback“ ausbleibt

 

Vor allem die Erneuerbaren schützen die globale Wirtschaft bislang vor einem Totalabsturz. Das Erstaunliche dabei: Bislang war es so, dass bei internationalen (Energie-)Krisen der Run auf Kohle einsetzte. Speziell für den asiatischen Raum, der deutlich stärker von der Hormus-Blockade betroffen ist, wurde das Anwerfen der klimatechnisch toxischen Kohlekraftwerke erwartet, doch diese Panikreaktion blieb bislang fast komplett aus. Aktuelle Zahlen belegen, dass es Rekordmengen von Erneuerbaren sind, welche die Ausfälle aus der Hormus-Blockade absorbieren. 

 

Wie das „Center for Research on Energy and Clean Air“ errechnet hat, fiel im März die Produktion von Kohlestrom im Vergleich zum Vorjahr sogar um 3,5 Prozent und die Produktion von Strom aus Erdgas um 4 Prozent, wohingegen Solar um 15 Prozent und Wind um 7,6 Prozent zulegten. International wurde wohl nicht ein Kohlenmeiler wegen der Horus-Krise wieder ans Netz angeschlossen. Dabei hatte die fossile Lobby angekündigt, dass ohne Öl, Gas und Kohle internationale Krisen nicht zu bewältigen seien. Womit die Energiedinosaurier diese fragwürdige Erkenntnis begründeten: Nach Putins Angriff auf die Ukraine 2022 führte die Erdgasknappheit noch zu Panikkäufen. Dieses Mal blieb die Panik jedoch aus, weil zwischen 2022 und 2025 erfreuliche 2.000 Gigawatt an Erneuerbaren hinzugekommen ist.

 

3. Südkorea: Mit den Erneuerbaren zu einem neuen Gesellschaftsentwurf?

 

Erneuerbare sind Friedens- und Freiheitsenergien, gerade weil sie ohne komplexe Lieferketten dezentral vor Ort auf ziemlich simple Art und Weise installiert und auch gesellschaftspolitisch eingesetzt werden können. Deshalb hat sich jetzt eine innovationsorientierte Volkswirtschaft wie Südkorea dem Trend angeschlossen. Gerade setzt sich das Land in Asien an die Spitze einer Bewegung, die den Iran-Konflikt zur Durchsetzung einer regenerativen Energiezukunft nutzt. Unter anderem hat die Regierung ein „Solar Income Village“-Programm aufgelegt, von dem bis 2030 2.500 Dörfer profitieren sollen. Die Gewinne aus der Solarproduktion werden in den Dörfern für kommunale Investitionen wie Mittagstische und Nachbarschaftsprojekte genutzt. Erste Pilotprojekte in kleinen Ortschaften wurden sensationell aufgenommen – Solarzubau als kollektives Investment gegen die Vereinzelung gerade alter Menschen. 

 

Der Veränderungsbedarf in Südkorea ist hoch. 90 Prozent der Primärenergie müssen in das technikbegeisterte Land importiert werden, 70 Prozent des Rohöls muss die Straße von Hormus passieren. Bislang sorgte die staatliche Energieagentur KEPCO mit erheblichen Eingriffen in die Preisstrukturen dafür, dass Energie günstig und grenzenlos verfügbar schien. Ihr muss es gelingen, sich selbst von der fossilen Droge zu befreien. Vor allem der Netzausbau soll mit Höchstgeschwindigkeit vorangetrieben werden. Und die Subventionen für die Fossilen müssen ein Ende haben: Noch im vergangenen Jahr wurden 350 Millionen US-Dollar in den Netzausbau investiert, aber sage und schreibe 3,4 Milliarden US-Dollar flossen in Preisbremsen für Kohle, Öl und Erdgas.    

 

Fazit

  • Kaum eine Institution hat ein solch schlechten Ruf wie die EU – nicht mehr! Die Bürgerinnen und Bürger schätzen die EU mehr als Nationalstaaten – weil sie Stabilität und Verlässlichkeit in Zeiten der Polykrise garantiert.
  • Während die Weltwirtschaft noch eine absehbare Zeit vom KI-Technologieboom profitieren wird, zeigt sich, dass sich die Erneuerbaren Energien weltweit als resilienzstarker Megatrend durchsetzen und die Ära von Kohle, Erdgas und Öl beenden.
  • Selbst ein Kohle-Land wie Südkorea erkennt, dass die Erneuerbaren nicht nur das Energiesystem modernisieren, sondern auch einen gesellschaftlichen Aufbruch möglich machen.