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Wissings Nebelkerzen treffen deutsche Autobauer

Quelle: Shutterstock
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Dank der e-Fuels-Ablenkungsdebatte und der Arbeitsverweigerung des Verkehrsministeriums gehen die e-Autoverkäufe bei VW bei einigen Modellen gegen null. Derweil beginnt der weltweite Siegeszug der chinesischen Automobilindustrie. 

 

Die unsägliche e-Fuels-Diskussion hat der Dekarbonisierung des Verkehrs nicht weitergeholfen. Sie hat vor allem für zusätzliche Verunsicherung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern gesorgt. Neben anderen Effekten wie Inflation und Benzinpreis führt das dazu, dass die Deutschen auch am Auto sparen. Laut einer Umfrage des Online-Marktplatzes Ebay halten 64 Prozent der Besitzer ihr Fahrzeug länger als ursprünglich geplant. Die durch die längere Nutzung anfallenden Reparaturen übernehmen viele gleich selbst. Mehr als ein Viertel der Befragten gibt an, Reparaturen, die sie normalerweise an eine Werkstatt gegeben hätten, aus wirtschaftlichen Gründen selbst durchgeführt zu haben oder zu planen, dies zu tun. Passende Ersatzteile werden häufig über das Internet bestellt.

 

Aus einer Umfrage des NDR in Norddeutschland geht hervor, dass sich die Mehrheit - fast sechs von zehn befragten Autofahrenden - kein E-Auto kaufen würde, wenn sie sich morgen ein neues Auto kaufen wollten oder müssten.  Nur gut ein Viertel kann sich vorstellen, ein Elektroauto anzuschaffen. Mit 17 Prozent ist ein erheblicher Teil der Befragten nach wie vor unentschlossen. Auch die Gebrauchtwagennachfrage bleibt schwach. Sie lag laut dem „MarktReport“ von Autoscout24 zuletzt zwar um 18 Prozent über dem niedrigen Wert des Vorjahres, fiel jedoch schwächer aus als im Vorquartal.

 

China nutzt die Desorientierung auf dem deutschen Automarkt

 

Etwas mehr als ein Drittel der deutschen Autofahrer:innen will nach eigenen Angaben den Wagen angesichts der gestiegenen Spritpreise häufiger stehenlassen. 22,9 Prozent tun dies einer Umfrage von Yougov zufolge bereits. Weitere zwölf Prozent haben entsprechende Pläne. Dabei ist Geld die stärkste Motivation, aufs Auto zu verzichten. Auf die Frage, aus welchem Grund sie am ehesten den Wagen stehen lassen würden, nannten 49 Prozent „um Geld zu sparen“. Dahinter folgten mit 16 Prozent Umweltschutz und mit 14,9 Prozent „um mich mehr zu bewegen“.

 

Der Profiteur dieser Verunsicherungsstrategie steht bereits fest: es ist China. Das Handelsblatt hat hierzu einen Vergleich gemacht: Ein direktes Duell zwischen zwei E-Modellen zeigt, welche Marktumwälzungen bevorstehen: Volkswagen verkauft seit Ende 2019 seinen elektrischen Kompaktwagen ID.3 auf dem Heimatkontinent. Im ersten Halbjahr 2023 wurden rund 33.000 Stück dieses Modells in Europa zugelassen. Das chinesische Konkurrenzmodell MG4 von Saic ist erst seit Jahresanfang erhältlich, kommt im ersten Halbjahr bereits auf fast 28.000 Zulassungen und kostet rund 5.000 Euro weniger. 

 

Fazit

Es wäre seitens des Verkehrsministeriums und seinem FDP-Minister Volker Wissing eine einfache Übung gewesen, den europäischen Kurs der Elektrifizierung der Mobilität zu unterstützen. Dass das nicht geschehen ist, hat klare Gründe. Es geht darum, die Energie- und Mobilitätswende zu verzögern und Unsicherheit bei den Verbrauchern zu schaffen. Dieses Vorgehen entspricht dem Strategiewechsel, der vor einigen Monaten in der Klimaleugner-Szene eingeleitet wurde. Die Beziehungen von FDP-Politikern in die Klimaleugner-Szene sind bekannt. Für die bundesdeutsche Automobilindustrie und die europäische Klimapolitik zeichnet sich dieser Kurs (neben schweren brancheninternen Versäumnissen) als verhängnisvoll ab. Die e-Autonachfrage stürzt seit Monaten ab. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/vw-privatkundengeschaeft-mit-elektroautos-bricht-in-europa-ein/29238772.html