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Mit Schlamm die Häuser der Zukunft "ausdrucken"

Während es in Westafrika aufgrund des Klimawandels immer heißer wird, haben jungen Architekten in der Sahel Zone damit begonnen, traditionelle Bautechniken auf Basis von Lehm, Holz und Stein wiederzuentdecken. Gerade Lehm und gestampfte Erde (Sand, Ton und Kies) verfügen über eine größere Dichte als Beton und halten Hitze fern. 

 

Die Morija Medical Clinic im Zentrum der Stadt Kaya in Burkina Faso ist unter anderem zusammen mit den Nomos Architects aus der Schweiz entstanden. Auf der uralten Grundlage der historischen Technologien, die Lehm und Erde verwenden statt klimaschädlichem Zement, sollen in Zukunft klimaangepasste Gebäude gebaut werden. In der Klinik werden die Windströme so geführt, dass keine Klimaanlagen nötig sind.

Burkina Faso gehört zu den Ländern, die bis 2050 am stärksten vom beschleunigten Klimawandel in Mitleidenschaft gezogen werden. Laut dem Notre Dame Global Adaption Initiative Country Index liegt Burkina Faso auf Platz 159, weltweit nur noch zwölf andere Staaten werden noch stärker von der Erderhitzung betroffen sein. Dabei erzeugt das kleine afrikanische Land zurzeit nur 0,08 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen.

 

Lehmbau ist Tradition und Zukunftsprojekt zugleich

Bauen mit Lehm hat den Vorteil, dass in den Gebäuden mehr Sauerstoff zirkulieren kann als in der „westlichen“ Zementarchitektur. Das Klinikprojekt dient deshalb auch als Leuchtturmprojekt, um die alte Handwerkstradition wiederzubeleben und für neues Vertrauen der Bevölkerung in die einheimische Baumethode zu sorgen.   

An dem gut 1.000 Quadratmeter großen Klinikbau war auch der in Berlin lebende Architekt  Diébédo Francis Kéré beteiligt. Er erhielt im vergangenen Jahr den Pritzker Preis, so etwas wie der Nobelpreis für Architektur, speziell für die Wiedereinführung des Lehmbaus auf internationaler Ebene. Kéré plant und baut heute in zahlreichen afrikanischen Ländern, in den USA und in Deutschland, er hat zudem etliche Pavillons für Galerien und Biennalen realisiert.

 

Bei seiner Arbeit legt Kéré besonderen Wert auf Nachhaltigkeit, auf die Verwendung lokaler Baustoffe und auf das Zusammendenken von Wohnen, Bildungs-, Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen sowie der Gestaltung des öffentlichen Raums.

 

Lange Jahre kam der 3D-Druck beim Häuserbau nicht in Gang. In Italien entstehen jetzt jedoch erste Häuser aus dem Dinge-Drucker. Die Materialbasis ist auch hier Lehm. Im schönen Ravenna wurde 2018 ein 20 Quadratmeter große Ökohaus innerhalb von zehn Tagen gedruckt. Die Materialkosten für das Häuschen, das der Hersteller „Gaia“ (italienisch für fröhlich) taufte, lagen bei lumpigen 900 Euro.

Bei den ersten Versuchen des 3-D-Baus lag das Problem darin, dass die Drucker mit anspruchsvollen und teuren Materialien gefüttert werden mussten. Mittlerweile wurde mit „Tecla“ (ein Kofferwort aus Technologie und „Clay“, Lehm) die nächstgrößere Variante eines Tonhauses gedruckt. Das Material besteht aus lokaler Erde, die mit Wasser, Fasern aus Reishülsen und einem Bindemittel vermischt werden. Das Füllmaterial zur Wärmedämmung besteht aus Reishülsen und Reisstroh aus Abfällen des Reisanbaus. Die Zusammensetzung der Materialmischung und die Befüllung der Wände können je nach lokalem Klima feinjustiert werden. In feuchteren Gegenden kann mit mehr Belüftung gedruckt werden, in wärmeren dagegen geschlossener, um das Innere kühl zu halten.

Der für das 2021 fertiggestellte Haus benötigte Lehm kostete weniger als 1.000 Euro. Die Gesamtkosten für das Projekt in Ravenna sind nicht bekannt.

 

Das Projekt ist aus der Zusammenarbeit zwischen der italienischen 3-D-Druckfirma WASP und dem Architekten Mario Cucinella hervorgegangen. „Es geht um die Zusammenführung dieser Technologieentwicklung mit einem elementaren Material, das man überall auf dem Planeten findet“, so Cucinella, „eine Kombination aus Hightech und lokalem Baumaterial“.

200 Stunden musste der 3-D-Drucker für den Bau des selbsttragenden Hauses arbeiten. Ein ausgewiesenes Passivhaus, das belüftet, isoliert und solide ist. „Wir haben im Garten ein Loch gegraben, die Erde gesiebt und mit Wasser vermischt. Eine Pumpe hat dann die Mischung Schicht für Schicht nach einem Code verteilt. Statt mit Tinte druckt dieser Drucker eben mit Schlamm. Es war magisch, das Haus zum ersten Mal zu betreten, man fühlt sich wie in einer Erdhöhle, es hat etwas Tiefes, Ursprüngliches“, erklärt Cucinella.

 

Theoretisch lässt sich ein solcher Drucker in jedes abgelegene Gebiet verfrachten, ohne zusätzliche Materialien kann sofort mit dem Druck begonnen werden.