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DEFINITION: Zugang statt Besitz war in den 00er-Jahren eine Formel, die Jeremy Rifkin in die Welt setzte. Share Economies setzen den Trend aufs Gleis und machen daraus eine Geschäftsidee. Immer mehr Menschen möchten sich von unnötigem Ballast befreien. Sharing Economics heißt darüber hinaus: Community und umweltbewusster Konsum. Share Economies sind jedoch ohne technologische Entwicklungssprünge nicht vorstellbar. GPS und Handys tragen dazu bei, dass speziell in den USA mittlerweile eine umfassende Infrastruktur des kommunitären Nutzens und Verleihens entstanden ist. Die Social Media haben den Trend gesetzt: Teilen bedeutet, etwas gemeinsam zu besitzen, das verbindet und nicht nur bloße Transaktion ist. Share Economics wird sich in den kommenden Jahren auf viele Bereiche von Gesellschaft und Wirtschaft ausdehnen.
* Wofür noch kaufen? Dafür gibt‘s doch eine App: Für alle Evangelisten der neuen Tauschwirtschaft des 21. Jahrhunderts gilt: Je teurer ein Produkt in der Anschaffung ist, umso mehr lohnt es sich, das Produkt nicht zu kaufen. Gerade für die Konsumgüterindustrie wird der Trend in den kommenden Jahren erhebliche Konsequenzen haben. Der Trend des Sharing ist keine Subkultur, kein Nischenthemen, keine zivilisationsfeindliche Besessenheit von Öko-Alternativen. Und natürlich gibt es für die hippe Tauschgesellschaft des 21. Jahrhunderts auch eine App, und nicht nur eine, sondern Hunderte. Für das iPhone gibt es ein Miniprogramm, das LiquidSpace heißt. Die App stellt eine Verbindung her zwischen ungenutzten Räumen und Büroflächen und Selbstständigen, die vorübergehend und für bestimmte Zeiten einen Büroplatz suchen. Erfolgreich angesprochen werden Leute, die als Handlungsreisende unterwegs sind (und für die eine Hotellobby zu klein oder zu unpersönlich ist). Aber auch Menschen, deren Büro für Konferenzen zu klein ist, nutzen LiquidSpace. Die Buchung wird in wenigen Minuten über die App abgeschlossen.
* Es ist nicht wichtig, dass du es hast, sondern dass man dich damit sehen kann: Im ersten Kinofilm von »Sex In The City« spielt das Leihen von Handtaschen eine wichtige Rolle. Trendfrau Carrie Bradshaw wunderte sich, wie sich ihre Assistentin Louise das Louis-Vuitton-Jeans-It-Bag leisten konnte und sie nicht. Louise gestand ihrer Chefin, dass sie solche Dinge nicht besitzte, man sie aber leihen könne. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland nicht nur unzählige Sharing-Seiten für Handtaschen und Designerklamotten, sondern auch für Schwangerenmode und alle möglichen Situationen des täglichen Lebens. Die Seite www.rentcycle.com funktioniert in den USA bereits als Meta-Plattform, auf der sich fast für alle Tausch-Gelegenheiten Partner finden lassen.
ThredUp.com ist eine praktische Seite für genervte Eltern, die nicht in Bergen von geschenkten und gekauften Babysachen ertrinken wollen. Chegg.com organisiert – nach dem genialen Verleihmodell des Filmverleihers Netflix – das Verleihen von Fachbüchern für Studenten. In den USA geben Studenten pro Jahr durchschnittlich 900 US-Dollar für Bücher aus. Durch chegg.com sparen die Jungakademiker zwischen 50 Prozent und 70 Prozent der Buchkos-ten. Hinter dem Sharing verbirgt sich zumindest bei vielen amerikanischen Anbietern eine Ökonomie des Minimalismus und des Bootstrapping, ein sich selbst erhaltender Kreislauf. Share Economy heißt auch: Konstruiere kein Produkt (für einen anonymen Konsumenten), sondern kreiere eine Dienstleistung, mit der du das Leben der Menschen bereicherst.
* Ziegen als ausleihbare Mähmaschinen im technikverliebten Kalifornien: In einem hochtechnisierten Land wie den USA verbindet sich der Sharing-Gedanke stark mit Themen wie Nachhaltigkeit und ökosozial verantwortlichem Handeln. Das führt mitunter zu kuriosen Sharing- Angeboten. Vor den Toren San Franciscos bietet das Start-up CityGrazing.com einen Ziegen-Leihservice an, der hohe Kosten für motorisiertes Rasenmähen sparen hilft, eine perfekte Rasenlänge hinzaubert und ökologisch ist. Das chemiefreie Mähen geschieht darüber hinaus schneller als es von Menschenhand bewerkstelligt werden könnte: 50 Schafe werden mit 0,2 Hektar in der Rekordzeit von acht Stunden fertig. Das Geschäftsmodell der lebendigen Rasenmäher auf Leihbasis wird mittlerweile auch in San Diego (»Hire-a-Goat«), und Seattle (»Rent-a-Ruminant«) angeboten.
PROGNOSE ITZ: Der Boom der kleinen und kleinsten Geschäftsideen im Sektor der Sharing Economies ist eine direkte Ausgeburt der Verservicung des Internets und des App-Kults. Doch der Teilen-und-Nutzen- Trend hat sozioökonomische Wurzeln, die viel tiefer reichen. Viele Menschen gerade in der westlichen Welt beginnen sich an vorindustrielle Tauschgesellschaften zu erinnern. Sie tun das, weil sie dem überredenden Marketing grundsätzlich misstrauen. Wir leben in einer Phase, in der das gesamte Modell des westlichen Wohlstands in Frage gestellt wird – und zwar nicht nur von Modernitätsverlierern, sondern auch von Politikern, Managern und jungen Akademikern, die eine Welt jenseits des bewusstlosen Konsums suchen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Sinn (und nicht Haben) eine der begehrtesten Ressourcen darstellt. Teilen und Weitergeben ist Ausdruck eines mittlerweile tief verinnerlichten Konsum- und Marktüberdrusses. Share Economics ist gelebte Desintermedialisierung, der Handel bleibt außen vor. Und: Share Economics führt zu einer Wiederbelebung von lokalen Strukturen – eine Sehnsucht, die immer mehr Menschen im 21. Jahrhundert antreibt.










































































































































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