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Definition: Wie in vielen neuen sozialen Bewegungen des 21. Jahrhunderts sind Frauen auch bei den Radical Homemakers (RH)die treibenden Kräfte. Waren progressive Frauen bis in die 1990er Jahre noch vor die Alternative gestellt, in das Stahlbad der beruflichen Selbstverwirklichung zu steigen, oder als rückschrittliches Hausmütterchen zu gelten, deuten sich mit den RH völlig neue Wege an. Radical Homemakers, das sind in der Kerngruppe exzellent ausgebildete Akademiker, die nichts weniger als die vergangenen 200 Jahre der Modernisierung in Frage stellen. Sie sind radikal, weil sie die Arbeitstrennung und damit die Männer- und Frauenrollen seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts in Frage stellen. Sie sind radikale Modernisten, insofern sie folgendes reklamieren: ein einfaches Leben und die Eigenproduktion von Lebensmitteln
* Kind und/oder Karriere? – die Frage ist falsch gestellt: Eva Herrmann mit ihren öffentlichen Hausfrauen-Provokationen und schriftstellerischen Taktlosigkeiten in rechtsradikalen Zeitungen ist nicht nur das Resultat einer eskalierten Sinnkrise, sondern auch eine konfuse Reaktion auf das Thema Opting Out. Mit Opting Out wurde vor knapp zehn Jahren ein Trend beschrieben, der sich empirisch leider nicht als Trend belegen ließ. Ein Artikel in der „New York Times“ schildert – vermeintlich repräsentativ – den bewussten Karriereabsprung von acht hochqualifizierten amerikanischen Akademikerinnen. Die Opting-Out-Bewegung formierte sich nie zu einer ernsthaften Bewegung. Aber sie stellte das 1980er Jahre-Selbstverwirklichungsprogramm des alten Feminismus radikal in Frage – aus feministischer Perspektive.
* Feminismus der Häuslichkeit: Das Manifest beginnt mit zehn Punkten. Erstens, hänge deine Wäsche draußen auf, zweitens, reserviere ein Stück deines Gartens für ein Gemüsebeet, ....neuntens, Koche für deine Familie, zehntens, Genieße das, was du hast und du Menschen, mit denen du zusammen bist. Höre auf, dich an Dinge zu klammern, die du brauchen könntest oder haben müssest. Verabschiede dich, von dem Gedanke, dass alles besser werden würde, „wenn nur...“. Absage an die Konsumkultur, Absage an Materielles, Absage an triviale Verlockungen und schnelle Gratifikationen. RH sind radikale Kapitalismuskritiker. Ihnen geht es jedoch nicht primär um Gesellschaftskritik, sondern um einen radikal neuen Lebensentwurf, der über die Festlegungen der Konsumgesellschaft hinausgeht (Mobilität, berufliche Selbstverwirklichung, industrialisierte Ernährung, Trennung von Erwerbs- und Familienarbeit etc.).
* Das Gemüsebeet-Hühnerstall-Manifest: Die Amerikanerin Shannon Hayes, die in »Sustainable Agriculture and Community Development« promoviert hat und eine Aktivistin der Radical Homemakers ist, ist Teil einer Bewegung, die wir bis vor wenigen Jahren noch als religiös verblendete Eiferer oder Waldschraten abgetan hätten. Jetzt stellen wir fest, dass sie Fragen stellt und Schlussfolgerungen zieht, die mithin auch Wohlstandsbürger am Stuttgarter Killesberg oder in Hamburg-Blankenese durch den Kopf gehen: Wie geht es weiter mit unserer Welt, ist die kapitalistische Wirtschaftsordnung nicht zerstörerisch für den Menschen, die Umwelt und die zwischenmenschlichen Beziehungen? Warum betreiben wir Arbeitsteilung, was müssen Männer, was müssen Frauen können? Brauchen wir wirklich weiterhin eine forcierte Wettbewerbs- und Wachstumswirtschaft? Shannon Hayes und andere haben daraus einen Lebensentwurf abgeleitet, der auf den ersten Blick Anleihen nimmt bei archaischen, vorindustriellen und tendenziell reaktionären Gemeinschaftsbildern. Doch die Radical Homemakers sind nicht reaktionär, sie sind im Wortsinne radikal, weil sie einen Konflikt an der Wurzel packen. Sie fordern, dass die Organisation von Haus und Hof (ebenso wie die Erwerbsarbeit) die gemeinsame Aufgabe von Mann und Frau seien. Die Radical Homemakers gehen damit zurück auf vorindustrielle Verhältnisse, in denen Hausarbeit und Erwerbsarbeit noch nicht nach Geschlechterrollen getrennt wurden. Allerdings ergehen sich die RH nicht darin, vergangene Zeit wieder zu beschwören – sie suchen, ganz im Gegenteil, radikale Lösungen für eine neue Moderne im 21. Jahrhundert.
Verwandte Trends: Walkable Consumption, Frugalisten, Access Economies.
Trendeinschätzung: Noch lassen sich die RH zahlenmäßig schwer beziffern. Der Lebensstil selbst hat in den vergangenen zwei Jahren ein großes Echo in allen relevanten Medien der USA gefunden. RH sind postindustrielle Modernisten, deren starke Anziehungskraft darin besteht, in unübersichtlichen Zeiten radikale Fragen zu stellen: Männer/Frauen, Erwerbsarbeit/Familienarbeit, Lebensmittelindustrie, Konsumgesellschaft, Wohlstand. Die neuen Aussteiger repräsentieren keine größenmäßig relevante Zielgruppe. Aber sie transportieren Sehnsüchte und Denkansätze, die in einer breiten Schicht der westlichen Gesellschaft (LOHAS, Foodies, Frugalisten, Wachstumsskeptiker) starke Resonanz finden werden.










































































































































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